Ein entschiedenes JA für das ungeborene Leben!

 

Aufruf an die Politiker in Bezug auf das Gesetzesprojekt 6103

Der biologische Beginn des menschlichen Lebens ist seit einigen Jahrzehnten bestens bekannt. Die Fusion von zwei mal 23 Chromosomen ist der wunderbare Ausgangspunkt eines neuen Menschen  mit seinem eigenen genetischen Code. Ab der siebten Woche ist der Herzschlag im Ultraschall deutlich zu beobachten; der  Embryo kann schon Schmerz empfinden. Ab der 11. Woche kann er Geräusche von außen wahrnehmen....In der 12. Woche sind sämtliche Organe vollendet und brauchen nur noch zu wachsen.

Die Wissenschaft hat das Embryo als Mensch anerkannt

Die  pränatale Entwicklungsbiologie ist ganz eindeutig: die konstante autonome Entwicklung des zukünftigen Kindes kennt weder eine Zäsur noch einen qualitativen Sprung.   

Diese Fakten müssen wir uns ins Bewusstsein rufen  mit Blick auf den Gesetzesentwurf 6103: immer wieder wird, allein in der Wortwahl,  die eklatante Realität  des werdenden menschlichen Lebens vertuscht. In seinem Gutachten verzichtet  der Staatsrat „auf die Untersuchung der verschiedenen Theorien  über die Definition des potentiellen Beginns  menschlichen Lebens, dessen fundamentale Grundrechte geschützt werden sollen, und über den juristischen Status des Fötus." Ohne Rechtfertigung möchte sich die Menschenrechtskommission zum Anfang des Lebens gar nicht erst äussern.

Es ist bedauerlich, wie ein wesentlicher Teil der Debatte einfach ausgeblendet wird: die Embryologie ist nicht eine Theorie unter vielen, sondern eine Wissenschaft. Und der Anfang des Lebens ist nicht „potentiell", sondern reell.

 

Verrat an den Grundlagen

Der Regierung kann nur zugestimmt werden, wenn sie beteuert, Schwangerschaftsabbrüche vermeiden zu wollen. Die “Vie Naissante” unterstützt vollends den ersten Satz des Artikels 1 des Gesetzes von 1978: „Das Gesetz garantiert die Würde jeden menschlichen Wesens ab dem Zeitpunkt seiner Entstehung." Nur bei ganz bestimmten Härtefällen soll Straffreiheit bestehen.

In der jüngsten Vorlage des Gesetzesprojektes wurden aber sämtliche Indikationen fallen gelassen. Die “Notlage” wird nicht näher bestimmt, sodass de facto der Staat die Würde des Menschen  nur noch ab der 12. Woche schützt.Da die Einschätzung eines Notfalls der alleinigen Entscheidung der schwangeren Frau überlassen wird, darf beispielsweise wegen des unerwünschten Geschlechts abgetrieben werden. Die Menschenrechtskommission folgert prompt daraus, dass die Abtreibung gänzlich aus dem Strafgesetz entfernt, und auch nicht mehr an irgendeine Notlage gebunden werden soll. Die nächste “Reform” ist vorprogrammiert. Sogenannte “life style abortions” (avortement de confort) wären somit rechtens, ja sogar unbedenklich. Die Ausnahmeregelung von 1978, die nur in schlimmen Notlagen das Recht auf Leben ausser Kraft setzt, wird in ein Recht auf Abtreibung verwandelt. Genau davor hatte die “Vie Naissante” bereits in den siebziger Jahren gewarnt: die “détresse psychique” war so dehnbar, dass sie nunmehr dem Staatsrat und den Abgeordneten das Argument lieferte, eine nähere Bestimmung einer Notlage sei juristisch nicht tragbar.

Wir sagen: ein Recht auf Abtreibung gibt es nicht. Das werdende Kind hat ein Recht auf Leben, unabhängig von Gesetzestexten, die ein solches Recht eigentlich weder schaffen noch abschaffen, sondern lediglich dessen Existenz zur Kenntnis nehmen können.

Welche Freiheit ?

Aus langer Erfahrung kann „Pour la Vie Naissante"  bezeugen, dass die vermeintlich freie  und souveräne Entscheidung der Frau  ihre Schwangerschaft zu beenden  oft genug eben nicht frei und souverän  ist, ganz zu schweigen von post-traumatischen Problemen, die wesentlich häufiger auftreten als die Vertreter einer Liberalisierung es zugeben wollen oder können. Das Schweigen über die psychologischen Konsequenzen, das heimliche Leiden der Frauen sind weitgehend tabu. Eine Frau die abgetrieben hat, wird allzu oft alleine gelassen mit ihren Fragen, ihrer Reue, ihren Selbstvorwürfen und ihren Zweifeln. Diese zu verneinen oder zu unterdrücken schafft sie noch lange nicht aus der Welt.

Konkrete Beispiele relativieren die viel gepriesene “Autodetermination”:  eine schwangere junge Frau hat ihre Ausbildung noch nicht  abgeschlossen, ihr Freund weist die Vaterschaft zurück, ihre Eltern oder vielleicht sogar der Arzt oder ein Psychologe raten zur Abtreibung.  Welche Wahl hat sie? Eine Mutter von drei Kindern ist schwanger; ihr Mann, mit dem liberalen Abtreibungsgesetz gewappnet, droht ihr mit Scheidung wenn sie nicht abtreibt. Wo ist da ihre Entscheidungsfreiheit?  Ein Arbeitgeber lehnt die Einstellung einer Frau ab, weil sie gerade schwanger geworden ist. Was hat hier Abtreibung mit Freiheit zu tun? Ein Arzt stellt bei der pränatalen Diagnostik eine Anomalie beim ungeborenen Kind fest  und ordnet eine Abtreibung an. Wo ist da noch die Freiheit der Eltern?

Im umgekehrten Fall: der Vater des ungeborenen Kindes stimmt der Abtreibung nicht zu: wo sind seine Rechte? Warum wird der Erzeuger aus der Reform völlig ausgeklammert? Müsste nicht auch er zur Beratung kommen dürfen? Macht man es sich nicht zu leicht, die Entscheidung allein der Frau zu überlassen, indem der Mann sich aus seiner Verantwortung stehlen kann?

Und schlussendlich - hat man schon mal darüber nachgedacht, die Meinung desjenigen oder derjenigen einzuholen, der oder die sich danach sehnt geboren zu werden?

Ausschluss der Eltern

 

Freiheit hat bekanntlich mit Verantwortung zu tun. Nunmehr bleibt aber die Verantwortung der Eltern einer Minderjährigen auf der Strecke. Ein minderjähriges Mädchen darf abtreiben, ohne  ihre Eltern davon in Kenntnis zu setzen.  Über die Vertrauensperson, die die Eltern ersetzt, schweigt sich die Vorlage aus. Es ist bedauerlich, dass der Gesetzgeber eine doppelte Beratung zu diesem Zweck einführt, und zwar indem er die Bedenkzeit von 7 auf 3 Tage herabsetzt, und somit dem minderjährigen Mädchen kaum noch erlaubt, ihre Entscheidung zu überdenken und sich für das Leben zu entscheiden. Eigentlich gibt es nur zwei Fälle, die die Volljährigkeit erzielen: die Ehe oder eine richterliche Verfügung.

Werden durch diese Regelung die erzieherischen und beratenden Aufgaben der Eltern nicht unterhöhlt? - Möglicherweise geht es eben nur darum, eine längst gängige, aber illegale Praxis zu legalisieren.

 

Vom Recht auf Leben hin zu einer Strategie für das Leben

Das Recht auf Leben ist festgeschrieben in der universellen Menschenrechtserklärung  und in der europäischen Charta der Menschenrechte   - und niemand, vor allem nicht die Schwachen und Wehrlosen können davon ausgeschlossen werden.  Die internationale Kinderrechtskonvention erwähnt ausdrücklich das schutzbedürftige ungeborene Leben. Noch deutlicher ist der Hippokrateseid, auch wenn er heute für die Ärzte kaum noch bindend ist.

Vor diesem Hintergrund begrüsst die „Vie Naissante"  die psycho-soziale Pflichtberatung grundsätzlich, da sie den Arzt nicht mit der ganzen Dimension des Problems allein lässt. Er könnte seinerseits der Frau das Ultraschallbild mit dem Embryo zeigen. Zwei Bedingungen sollten allerdings erfüllt werden: ein zweites Beratungsgespräch  darf auf keinen Fall auf die Schnelle am gleichen Tag wie der Arztbesuch stattfinden.   Aus der Gesetzesvorlage geht nicht einmal hervor, in welcher Form die Beratung stattfindet; der Text ist so formuliert, dass das Aushändigen einer Informationsbroschüre, also auch ohne Gespräch, schon reicht. Zweitens sollte  in der Beratung nichts unterlassen werden was der Frau hilft, sich für ihr Kind  zu entscheiden.  Da ist das deutsche Gesetz viel deutlicher: “Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich vom Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen”.

An diesem Punkt hat der Staat die Verpflichtung, einzuschreiten und der Frau oder Familie in Schwierigkeiten jede erdenkliche Art von Hilfe anzubieten. Zumal wenn es sich - wie in Luxemburg - um einen Sozialstaat handelt, der vorgibt „die Würde jeden menschlichen Lebens von Beginn an zu schützen." Alle Alternativen zu einer Abtreibung sind zu prüfen (Adoption, usw.)

Es reicht nicht, von Abtreibungstourismus zu reden, ohne die genauen Gründe desselben zu erforschen. Wir bezweifeln, dass eine weitere Liberalisierung diesen verhindert.

Getreu der Devise „regieren heißt vorausschauen" täten die politisch Verantwortlichen gut daran, zunächst  das Problem an der Wurzel zu packen.Eine sinnvolle Sexualerziehung soll die jungen Menschen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Körper und dem des Partners hinführen und sie auch auf die Verantwortlichkeiten eines gemeinsamen Lebens und der Elternschaft vorbereiten.  Die Politik sollte prioritär dafür Sorge tragen, dass die Personen, die mit der Vermittlung der Sexualkunde befasst sind, gut ausgebildet sind und dass das Thema Abtreibung nicht banalisiert wird. Sie soll sich auf das Leben ausrichten, und verhindern, dass kinderreiche Familien an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden.

Die “Vie Naissante" arbeitet ohne Unterlass und mit seinen bescheidenen Mitteln daran, zu sensibilisieren, schwangeren Frauen oder jungen Müttern, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, mit einer kompletten Babyausstattung zu unterstützen oder auch eine Unterkunft zu finden. Die Organisation ist stolz, durch dieses konkrete Engagement, direkt oder indirekt, Menschen gerettet zu haben, die heute froh sind zu leben. Nicht zwingend glücklich, werden manche Leute einwenden.   Doch gibt es eine Garantie dafür, dass Wunschkinder eher glücklich sind?

Die „Vie Naissante" ist überzeugt davon, dass die Würde eines jeden Menschen unverletzlich ist, und zwar in jedem Moment seiner Existenz. Deshalb appellieren wir dringend an die politischen Entscheidungsträger, statt das Tor für ein an sich inexistentes Recht auf Abtreibung zu öffnen, alle denkbaren Vorkehrungen bei der Gesetzesreform zu treffen, um Abtreibungen im Sinne des Artikels 1 des Gesetzes von 1978 zu verhindern.

André Grosbusch           Marie-Josée Frank

(Präsident)                     (Vizepräsidentin)

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