Ein entschiedenes JA für das ungeborene Leben!

 

17 Tage nach der Fusion von zwei mal 23 Chromosomen - dem wunderbaren Ausgangspunkt eines neuen Menschen  mit seinem eigenen genetischen Code - beginnt das Herz selbstständig zu schlagen und kann ab der achten Woche mit einem Elektrokardiogramm sichtbar gemacht werden.  Ab der 7. Woche kann der Embryo Schmerz empfinden, ab der 11. Woche Geräusche von außen wahrnehmen....Die  pränatale Entwicklungsbiologie, auch Embryologie genannt, ist ganz eindeutig: die konstante autonome Entwicklung des zukünftigen Kindes kennt weder eine Zäsur noch einen qualitativen Sprung.   Jeder von uns ist da durch gegangen.

Die Wissenschaft hat das Embryo definitiv als Mensch anerkannt

Diese wissenschaftlichen Fakten müssen wir uns ins Bewusstsein rufen  mit Blick auf den Gesetzesentwurf 6103: die Stellungnahme des Staatsrats und andere vertuschen immer wieder, allein in der Wortwahl,  die eklatante Realität  des werdenden menschlichen Lebens. In seinem Gutachten verzichtet  der Staatsrat „ auf die Untersuchung der verschiedenen Theorien  über die Definition des potentiellen Beginns  menschlichen Lebens, dessen fundamentale Grundrechte geschützt werden sollen, und über den juristischen Status des Fötus."

Es ist skandalös wie ein wesentlicher Teil der Debatte unter den Tisch gekehrt wird: die Embryologie ist nicht eine Theorie unter vielen, sondern eine Wissenschaft. Und der Anfang des Lebens ist nicht „potentiell", sondern reell. Mit Blick auf den rechtlichen Status des Fötus spricht das kürzlich ergangene Urteil im Fall des Todes eines ungeborenen acht Monatigen Babys Bände:  dieser Todesfall wurde in der Urteilsfindung nicht berücksichtigt - das sagt alles über die Unzulänglichkeiten unserer Rechtsprechung.

Verrat an den Grundlagen

Die Vereinigung „Pour la Vie Naissante" stimmt der Regierung insoweit zu, als sie der Überzeugung ist, dass es in aller erster Linie darum geht, einen Schwangerschaftsabbruch zu vermeiden.  Wie diese unterstützt sie zu 100% den ersten Satz des Artikels 1 des Gesetzes von 1978: „Das Gesetz garantiert die Würde jeden menschlichen Wesens ab dem Zeitpunkt seiner Entstehung." 

Es muss jedoch konstatiert werden, dass mit der Ergänzung der bereits dehnbaren „physischen oder psychischen Not" durch eine „soziale Indikation", die Liste der Gründe für eine straffreie Abtreibung zum Ergebnis hat, dass der Staat die Würde des Menschen  nicht mehr garantiert ab dem Zeitpunkt seiner Entstehung, sondern erst ab der 12. Woche einer Schwangerschaft.  Eigentlich widerspricht der Staatsrat zu Recht einer solchen Indikationslösung, sofern die Indikationen  als beliebig dehnbar zur Anwendung kommen. Er empfiehlt in der Tat, „die Einschätzung eines Notfalls der alleinigen Entscheidung der schwangeren Frau zu überlassen". Damit stellt er sich de facto in eine Reihe mit den Anhängern der These „Mein Bauch gehört mir".  Da dieser realitätsfremde  Slogan nicht mal das Vorliegen eines wie auch immer gearteten Notfalls vorsieht, spricht man im englisch sprachigen Raum auch von „life style abortion".

Welche Freiheit ?

Basierend auf 37 Jahren Erfahrung kann die Vereinigung „Pour la Vie Naissante"  bezeugen, dass die vermeintlich freie  und souveräne Entscheidung der Frau  ihre Schwangerschaft zu beenden  oft genug eben nicht frei und souverän  ist, ganz zu schweigen von post-traumatischen Problemen, die wesentlich häufiger auftreten als die Vertreter einer Liberalisierung es zugeben wollen oder können. Das Schweigen über die psychologischen Konsequenzen, das heimliche Leiden der Frauen sind ein soziales Tabu-Thema. Eine Frau die abgetrieben hat, wird alleine gelassen mit ihren Fragen, ihrer Reue, ihren Selbstvorwürfen und ihren Zweifeln. Diese zu verneinen oder zu unterdrücken schafft sie noch lange nicht aus der Welt.

Lassen Sie uns konkret werden:  eine schwangere junge Frau hat ihre Ausbildung noch nicht  abgeschlossen, ihr Freund weist die Vaterschaft zurück, ihre Eltern oder vielleicht sogar der Arzt oder ein Psychologe raten zur Abtreibung.  Welche Wahl hat sie? Eine Mutter von drei Kindern ist schwanger; ihr Mann droht ihr mit Scheidung wenn sie nicht abtreibt, gewappnet mit dem Argument dass die soziale Indikation legal sei. Wo ist da ihre Entscheidungsfreiheit?  Ein Paar hat bisher „nur" Töchter, und jetzt ist noch ein Mädchen unterwegs. Was hat hier Abtreibung mit Freiheit zu tun?  Ein Arzt stellt bei der pränatalen Diagnostik eine Anomalie beim ungeborenen Kind fest  und ordnet eine Abtreibung an. Wo ist da noch die Freiheit der Eltern?

Und im umgekehrten Fall: der Vater des ungeborenen Kindes stimmt der Abtreibung nicht zu: wo sind seine Rechte?

Und schlussendlich - hat man schon mal darüber nachgedacht, die Meinung desjenigen oder derjenigen einzuholen, der sich danach sehnt geboren zu werden?

Vom Recht auf Leben hin zu einer Strategie für das Leben

Das Recht auf Leben ist festgeschrieben in der universellen Menschenrechtserklärung  und in der europäischen Charta der Menschenrechte   - und niemand, vor allem nicht die Schwachen und Wehrlosen, kann davon ausgeschlossen werden.  Vor diesem Hintergrund begrüßt „Pour la Vie Naissante" die zusätzliche Pflichtberatung, um den  Arzt nicht nicht mit der ganzen Dimension des Problems allein zu lassen. Er könnte seinerseits  der Frau das Ultraschallbild mit dem Embryo zeigen. Zwei Bedingungen sollten auf jeden Fall erfüllt werden: ein zweites Beratungsgespräch  darf auf keinen Fall auf die Schnelle am gleichen Tag wie der Arztbesuch stattfinden.  Man muss eine Nacht darüber schlafen - eine alte Weisheit die schon auf  wesentlich weniger schwere Entscheidungen zutrifft.  Zweitens sollte  in der Beratung nichts unterlassen werden was der Frau hilft, sich für ihr Kind  zu entscheiden.  Auf der Neutralität der Beratung zu beharren  grenzt an Heuchelei  und Feigheit à la Pontius Pilatus.

An diesem Punkt hat der Staat die Verpflichtung einzuschreiten und der Frau oder Familie in Schwierigkeiten jede erdenkliche Art von Hilfe anzubieten. Zumal wenn es sich - wie in Luxemburg - um einen Sozialstaat handelt, der vorgibt „die Würde jeden menschlichen Lebens von Beginn an zu schützen." Der Frau müssen alle möglichen Hilfsangebote für die Betreuung  und Akzeptanz ihres Babies aufgezeigt werden. Alle Alternativen zu einer Abtreibung sind zu prüfen.

Getreu der Devise „regieren heißt vorausschauen" täten die politisch Verantwortlichen aber auch gut daran, zunächst  das Problem an der Wurzel zu packen. Eine Sexualerziehung, die die jungen Menschen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenem Körper und dem des Partners hinführt und die sie auch auf die Verantwortlichkeiten eines gemeinsamen Lebens und der Elternschaft vorbereitet.  Die Politik sollte prioritär dafür Sorge tragen, dass die Personen, die mit der Vermittlung der Sexualkunde befasst sind, gut ausgebildet sind und dass das Thema Abtreibung nicht banalisiert wird.

„Pour la Vie naissante" arbeitet ohne Unterlass und mit seinen bescheidenen Mitteln daran,  einerseits  für das Thema zu sensibilisieren als auch schwangeren Frauen oder jungen Müttern, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, mit einer kompletten Babyausstattung (Bett, Babykleidung, Windeln, Milch....) zu unterstützen oder auch eine Unterkunft zu finden. Die Organisation ist stolz, dass durch dieses konkrete Engagement, direkt oder indirekt, Menschen heute glücklich sind zu leben. Nicht zwingend glücklich, werden manche Leute einwenden.  Aber gibt es eine Garantie dafür, dass Wunschkinder eher glücklich sind?

„Pour la Vie Naissante" ist überzeugt davon, dass die Würde eines jeden Menschen unverletzlich ist in jedem Moment seiner Existenz. Deshalb appellieren wir dringend an die politischen Entscheidungsträger, alle Vorkehrungen bei der Reform des Gesetzes von 1978 zu treffen, um die Zahl der Abtreibungen zu reduzieren durch eine wahrhaft globale Strategie für das Leben.

Für die Oeuvre pour la Protection de la Vie Naissante,

André Grosbusch (Präsident)



In der Darlegung der Begründung kommt der Begriff „werdendes Kind" nur ein einziges Mal vor (immerhin!) -  um zu sagen dass eine Abtreibung nach der 12 Woche gestattet ist, falls das Leben der Mutter in Gefahr ist oder im Fall der Diagnose „schwerer körperlicher Missbildungen oder geistiger Schäden".  

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